Von:
Ulrich Krämer

e-wo.de

Mensch, wo bist Du? Das war die Frage des Kirchentages 2009 in Bremen. Mit ihr verband sich die Hoffnung auf Antworten zu den drängenden Herausforderungen dieser Zeit. Der Kirchentag sollte für die Teilnehmenden auch eine Art Standortbestimmung ermöglichen und wegweisende Antworten finden helfen.

Im Einzelfall mag er diese Funktion auch gehabt haben. Für alle Teilnehmenden hat er das aber sicher nicht leisten können. Die Frage „Mensch, wo bist Du?“ bleibt auch danach noch hoch aktuell. Und jede Antwort darauf ist immer nur eine flüchtige Standortbestimmung, die im nächsten Augenblick bereits überholt ist.

Das eigentliche Kontinuum sind die Herausforderungen, denen wir nach wie vor gegenüber stehen. Die Anfragen der Realitäten an uns sind immer noch brennend. Umwelt, Hunger, Armut, Gewalt – Schlagworte, hinter denen sich Berge von Problemen türmen.

Mensch, wo? Irgendwie sind wir überall. Einige sind weit weg von den Schwierigkeiten unserer Zeit, in der Hoffnung, dass sie aus der Distanz betrachtet an Bedrohlichkeit verlieren. Andere stehen auf einem Berg und erheben sich über die Probleme: „No problem! Ich schaffe das schon.“ Wieder andere befinden sich am Fuß des Berges und versuchen, ihn mehr oder weniger engagiert und erfolgreich abzutragen.

Jesus von Nazareth war auf der Wanderschaft, hat seinen Standort ständig gewechselt. Er hat Berge erklommen und den beflügelnden Aufenthalt dort oben genossen. Er ist auf den See geflohen, um Distanz zu den Herausforderungen aufzubauen. Oder er hat sich den Menschen aufopfernd zugewandt. Jede Position, die wir in seinem Sinne einnehmen, hat ihre Berechtigung. Vielleicht ermöglicht gerade die Vielzahl unserer Positionen und Standorte, dass wir gemeinsam unsere Problemberge handlungsorientiert und vertrauend abtragen können.

Mensch – Wo? Auf der Suche? In Bewegung? Ja, gerne. Nur bitte nicht erstarrt und fixiert. Das ist nicht evangelisch.